PRESSEMITTEILUNG/STELLUNGNAHME BETREFFEND DROHBRIEF UND KONFLIKT SACHSENFORST & MOUNTAINBIKERiNNEN

Aktualisiert: 26. Aug.

die pressenachrichten über die postalisch ausgesprochenen drohungen an den sachsenforst bzw. den revierförster herr köhler verfolgten wir mit großem schrecken. denn, obwohl sich die kommunikation mit einzelnen revierförstern im letzten jahr gelinde gesagt als großes hindernis darstellte, verabscheuen wir als mountainbike initiative shrederz e.v. dieses verhalten zutiefst.

gewaltandrohungen jeglicher art entsprechen nicht dem wertekodex unserer mitglieder.

das bedürfnis seitens sachsenforst, sich mit dieser nachricht an die presse zu wenden – nachvollziehbar. dennoch wirkte die berichterstattung auf uns doch sehr einseitig präsentiert. die reaktion auf die drohgebärden einzelner personen war nun also, dass die mountainbikerInnen im allgemeinen rücksichtslose und egoistische menschen sein müssten, denen auch der naturschutz vollkommen egal war. dem ist nicht so. auch die tatsache, dass sich der sachsenforst mit diesem anliegen nicht ein einziges mal an den verein gewandt hat, widerstrebt uns.

die behauptung, man hätte keinen ansprechpartner, ist schlichtweg falsch.

seit es die mountainbike initiative gibt, suchen wir das gespräch zum sachsenforst und den verantwortlichen revierförstern. etwa eine woche nach der zerstörung des „affenstein-trails“ nach anweisung von revierförster köhler, gab es ein persönliches treffen am trail, bei welchem wir verständnis für die situation des sachsensforstes, aber auch die bitte aussprachen, sich bei solchen vorhaben im voraus an den verein zu wenden. dazu sei man nicht verpflichtet, denn die errichtung des trails selbst sei bereits eine illegale handlung, so köhler. doch einige der rückbaumaßnahmen stellten sich als sehr gefährlich heraus: an nicht einsehbaren stellen und landungen waren beispielsweise steine hochkant platziert. das material des besagten zurückgebauten sprungs liegt ebenfalls mitsamt der nägel noch im wald. das ist geradezu lebensgefährlich. und auch wenn wir als neu gegründeter verein nicht wissen, wer die trails vor jahren errichtet hat, bieten wir uns stets als ansprechpartner für den forst an und suchen den dialog, denn auch unsere vereinsmitglieder sind auf diesen „illegalen trails“ unterwegs.

was uns zum eigentlichen problem der ganzen sache führt: der nicht vorhandenen möglichkeit diesen sport, welcher sich in den letzten jahren im ganzen land zum breitensport entwickelt hat, auf legalem wege auszuüben. und da kommen wir als mountainbike initiative ins spiel. vor etwa genau zwei jahren gründeten wir den verein mit dem hauptziel ein legales trailangebot für die mountainbikerInnen in der region rund um zschopau zu schaffen. ein optimistisches ziel. dass uns allein die kommunikation mit dem sachsenforst aber vor so große herausforderungen stellen würde, war nicht abzusehen. wir sind uns stets dessen bewusst, dass der forst neben der ermöglichung von erholung im wald (erholungsfunktion) noch andere und zunächst einmal wichtigere aufgaben besitzt. dennoch werden die probleme zwischen mountainbikerInnen und forst nicht weniger – im gegenteil!

immer mehr kinder, jugendliche und erwachsene verbringen ihre zeit auf dem mountainbike. und was bringt einem all der federweg am fahrrad, wenn es keinen ort in der näheren umgebung gibt, diesen auch zu nutzen. bikeparks gibt es zwar einige in sachsen, diese sind jedoch alle ein bis zwei stunden autofahrt entfernt.

eine schnelle feierabendrunde im sommer – auf legalem wege nicht möglich.

insbesondere die kinder und jugendlichen sind diesbezüglich auf eltern oder andere erwachsene angewiesen, die sie mit dem auto dort hinfahren müssen. eintritt und fahrtkosten müssen finanziert werden und im sinne des klimaschutzes ist das auch nicht. bikeparks sind schön und gut; sie eignen sich perfekt für einen wochenendausflug ein paar mal im jahr. aber das training im sinne eines vereinssports ist so nicht möglich. sollten wir doch froh sein, dass sich unsere kinder draußen in der natur aufhalten und nicht den ganzen nachmittag vor medialen endgeräten sitzen. und, dass sich diese kinder und jugendlichen auch an die „regeln“ im wald halten, das unterstützen wir als verein. denn wir sind keine rücksichtslosen radfahrerInnen, die auf die natur keinen wert legen.

umwelttag 2022 (pc: janine fabian)

tatsächlich ist der naturschutz sogar in unsere satzung integriert. der jährlich stattfindende „umwelttag“, an welchem mit tatkräftiger unterstützung zahlreicher mitglieder bspw. im jahr 2021 über eine tonne müll im wald gesammelt und sachgerecht entsorgt wurden, erfreut sich immer größerer beliebtheit. vom sachsenforst ernteten wir für die aktion im letzten jahr kritik. man solle doch bitte erst fragen, bevor man sich im wald treffe um diesen von müll zu befreien. dieses jahr haben wir unsere aktion beim sachsenforst angekündigt, beteiligen wollte sich dort niemand.

besonders die kinder und jugendlichen lernen also bei uns schon früh, wie man sich respektvoll in der natur zu verhalten hat. auf touren wird anfallender müll wieder in den rucksack gepackt, müll von anderen, den man auf den trails und wegen findet, wird mitgenommen. das ist für unsere mitglieder inzwischen zur selbstverständlichkeit geworden. zudem lehren wir allen mitgliedern, dass es strengstens verboten ist bäume oder äste abzusägen und abzuknicken, baumaterial in den wald zu schleppen (holzbretter für sprünge etc. – dafür gibt es bikeparks) oder in der dämmerung und dunkelheit im wald zu fahren (s. auch trailrules auf unserer website). der verein gibt uns also die möglichkeit viele mountainbikerInnen zu erreichen, sei es über die gemeinsamen ausfahrten und treffen, die vereinsinterne mitglieder-kommunikation oder über unseren instagram-kanal.


nun könnte man entgegnen, dass die trails selbst den wald schädigen: wurzeln könnten beschädigt werden, der boden wird ggf. verdichtet. dieses argument ist natürlich nicht ganz von der hand zu weisen, dennoch sehen wir an der stelle nur einen geringfügigen unterschied zu wanderwegen oder reitwegen, sofern die mountainbike-trails natürlich gebaut sind. die meisten trails in unserer umgebung existieren seit mindestens einem jahrzehnt und umgebende bäume sind noch nicht verendet. zumindest nicht aufgrund einer beschädigung des wurzelwerks.


endurofahrer (pc: marcel fritzsche)

vom ziel, der vom landestourismusverband in absprache mit dem sächsischen staatsministerium für wissenschaft, kultur und tourismus ins leben gerufenen mountainbike-fachplanung, welche den freistaat sachsen zum „führenden mountainbike reiseziel in deutschland“ machen soll, sind wir also unseres erachtens nach, noch sehr weit entfernt. eine mountainbike-infrastruktur existiert in sachsen zurzeit lediglich auf breiten forstwegen. bei einem runden tisch mit landratsamt, naturschutzbehörde und unterer forstbehörde, welcher aus gründen der geplanten legalisierung eines trails auf privatgrundstück („hüblertrail“) stattfand, stellte sich heraus, dass die unteren und damit auch die ausführenden behörden noch keinerlei interne kenntnis eines solchen vorhabens hatten. und auch wenn der wille und wunsch seitens ebendieser institutionen durchaus da ist, uns legale trails zu ermöglichen, vor allem, weil diese in der lage wären, den zunehmenden „trail-wildwuchs“ in den wäldern einzudämmen, sind die ämter an ihre gesetzlichen bestimmungen gebunden. erfahrungswerte gibt es keine.

abhilfe schaffen soll die veröffentlichung der arbeitshilfe „naturschutzfachliche genehmigung“ von der firma absolutGPS, die vom ministerium dazu beauftragt wurden eine solche anleitung für sie zu erstellen. da wir dem landestourismusverband mit unserem vorhaben in der planung etwas voraus sind, uns jedoch nach austausch mit absolutGPS unterstützung vonseiten des ministeriums erhoffen, warten wir nun bis auf weiteres die veröffentlichung ab.


wie die weitere zusammenarbeit mit dem sachsenforst und den zuständigen revierförstern aussehen wird ist ferner unklar. nachdem zunächst vor allem der leiter des staatsforstbetriebs, herr thomas irmscher, bereit war an einer gemeinsamen lösung mit dem verein zu arbeiten und sogar ein pilotprojekt im raum stand, deutete ebendieser vor nicht langer zeit eine beendigung der zusammenarbeit an. es herrschten wohl große uneinigkeiten innerhalb der institution, wie mit dem thema mountainbikerInnen umgegangen werden sollte.

fest steht: das alleinige ignorieren von problemen und konflikten führt zu keiner problemlösung, der rückbau von trails und eine mediale schlammschlacht ebenso wenig!

wir hoffen deshalb weiterhin auf die großartige unterstützung unserer mitglieder, ohne die das ganze projekt nicht realisierbar wäre. dazu bieten wir seit diesem jahr neben einer regulären mitgliedschaft (mit stimmrecht und versicherung) auch unterstützungsmitgliedschaften für all jene leute an, die weniger geld zur verfügung haben, den verein aber dennoch mit ihrer mitgliedschaft in diesem anliegen unterstützen möchten.


vereinsmitglieder und freunde des vereins (pc: marcel fritzsche)

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